Bürgerdelegation Sachsen-Anhalt – „Mir ist es wichtig, von meinen Privilegien etwas zurückgeben zu können“

Halle (S.) (ots) Michelle Manja Putze (25) studiert in Halle (S.) Politikwissenschaften und Philosophie, geboren und aufgewachsen ist sie in Thüringen. Dass sie jetzt zur Bürgerdelegation Sachsen-Anhalt gehört, ist für sie aber ganz normal – schließlich wohnt sie schon seit mehreren Jahren in Halle (S.) und hat die Stadt, auch durch ihr ehrenamtliches Engagement, besonders kennen und lieben gelernt. Eigentlich hatte sie im vergangenen Jahr einen Spendenlauf organisiert, für den sie sich dann aber eine pandemiefreundliche Alternative überlegen musste. Dabei entstand ein Actionbound, eine interaktive Schnitzeljagd durch Halle (S.), bei der die Demokratieförderung im Mittelpunkt stand. An der Freiwilligenarbeit gefällt Michelle Putze besonders, im Team etwas erarbeiten und umsetzen zu können. Am liebsten aber ohne Corona-Einschränkungen.

Bürgerdelegation Sachsen-Anhalt Michelle Manja Putze: „Mir ist es wichtig, von meinen Privilegien etwas zurückgeben zu können“ // (c) Staatskanzlei / Daniel Baumann / Bürgerdelegation Sachsen-Anhalt – „Mir ist es wichtig, von meinen Privilegien etwas zurückgeben zu können“

Als ich den Brief bekommen habe, in dem stand, dass ich eingeladen bin, Teil der Bürgerdelegation Sachsen-Anhalt zu sein, war ich so dankbar und erfreut, dass ich gleich bei der Freiwilligen-Agentur in Halle angerufen und mich bedankt habe – die haben mich ja vorgeschlagen und damit sozusagen nominiert. Und jetzt bin ich wahnsinnig aufgeregt, was mich so erwartet.

Niemals hätte ich damit gerechnet, dass mir sowas mal passiert – wenn ich ehrlich bin: Ich habe mich lange Zeit gar nicht getraut, ein Ehrenamt auszuüben. Ich habe mich gefragt: Kann ich das überhaupt? Bin ich dafür nicht zu schüchtern? Habe ich dafür neben Studium und Nebenjob genug Zeit? Aber gerne machen wollte ich es schon immer. Und mittlerweile weiß ich auch, dass man keine 30 Stunden im Monat in die Freiwilligenarbeit investieren muss, um einen Beitrag zu leisten. Da bin ich der Freiwilligen-Agentur in Halle auch besonders dankbar, dass sie da an die Uni gekommen ist und den Studierenden Mut gemacht habt, dass jedes Engagement wichtig ist und einen Unterschied machen kann.

Mir ist sehr bewusst, dass ich als weiße Person in Deutschland sehr privilegiert aufgewachsen bin: Ich habe keine Diskriminierung erfahren, ich darf studieren und ich verdiene so viel Geld, dass es mir möglich ist, mich zusätzlich ehrenamtlich zu engagieren. Das ist einfach ein großes Glück. Es ist mir wichtig, dass ich von diesen Privilegien etwas zurückgeben kann. Deswegen setze ich mich für Themen ein wie Bildungsgerechtigkeit, Rassismus, gendergerechte Sprache und Diversity. Wie kann ich ein guter Ally sein? Das ist eine Frage, die ich sehr wichtig finde. Und indem ich mich damit beschäftige, kann ich anderen auch etwas von meinem Wissen weitergeben.

Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass ich von anderen noch ganz viel lernen kann, ganz sicher auch von den Bürgerdelegierten aus Sachsen-Anhalt und aus anderen Bundesländern. Ich finde das toll, dass da so viele diverse Menschen aus verschiedenen Generationen und verschiedenen sozialen Hintergründen zusammenkommen werden. Da entsteht sicher ein wichtiger Austausch. Dafür steht Deutschland meiner Meinung auch total: Dass man sich für die Meinung anderer interessiert und einsetzt. Cool, dass das gerade zum Tag der Deutschen Einheit im Fokus stehen wird.

Was ich auch mit dem Tag der Deutschen Einheit verbinde, sind komischerweise Begriffe wie „Ossi“ und „Wessi“. Ich weiß gar nicht, warum – aber scheinbar habe auch ich noch diese Grenze im Kopf, die es ja zum Glück nicht mehr physisch gibt. Ich sehe total, dass es vorangeht mit der Einheit, aber die Wiedervereinigung ist sicher keine Sache, die von heute auf morgen passieren kann. Das braucht ganz viel Arbeit und ich bin mir nicht sicher, ob die in den 31 Jahren schon erledigt ist. Ich glaube, dass sich Menschen in den neuen Bundesländern manchmal noch immer abgehängt fühlen. Mir persönlich geht es nicht so – aber die Vorurteile bekommt man ja doch mit.

Das wünsche ich mir von dem Wochenende mit den anderen Delegierten: dass wir gemeinsam Vorurteile abbauen. Und natürlich, dass wir gemeinsam eine schöne Zeit haben und das Festtagsprogramm genießen können.

Alle Infos und weiterführende Inhalte finden Sie auf der Homepage zum Tag der Deutschen Einheit (https://tag-der-deutschen-einheit.de) und auf den Kanälen der Sozialen Netzwerke Facebook, Instagram, YouTube und Twitter. #TDE2021