Der Krieg in Afghanistan war ein Debakel

Menschenrechte, Demokratie, Sicherheit, Frieden – keinem dieser hehren Ziele sind die USA mit der Bundesregierung im Schlepptau auch nur einen Schritt näher gekommen.

Ernst H. Brink

Wie auch? Mit Bomben schafft man keinen Frieden und mit jedem unschuldigen zivilen Opfer spielte man nur den Taliban in die Hände. Nicht nur 59 deutsche Soldaten, 2442 US-Soldaten und etwa 50.000 Taliban-Kämpfer haben in diesem sinnlosen Krieg ihr Leben gelassen, sondern auch über hunderttausend afghanische Zivilisten allein seit 2009. Der fast 20 Jahre währende Interventionskrieg in Afghanistan ist in einem Fiasko geendet. Die Taliban sind zurück an der Macht – stärker und besser bewaffnet als je zuvor. Dank der Übernahme des milliardenschweren Waffenarsenals der afghanischen Armee befinden sich nun Millionen Handfeuerwaffen, über tausend Schützenpanzer, eine größere Zahl Kampfhubschrauber und sogar eine Drohnenflotte in den Händen der Gotteskrieger. Da die USA und ihre Verbündeten nicht einmal fähig waren, einen halbwegs geordneten Übergang zu organisieren, müssen nun zigtausende Afghanen, die für westliche Organisationen gearbeitet haben, um ihr Leben fürchten. Es ist mehr als erbärmlich, dass die Bundesregierung nicht einmal für die rechtzeitige Evakuierung der von ihr sogenannten “Ortskräfte” gesorgt hat – obwohl sie dazu in einem Antrag der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag bereits vor Wochen aufgefordert wurde. Haben Merkel, Maas, Kramp-Karrenbauer und Seehofer die Realität in Afghanistan konsequent verdrängt oder war ihnen das Schicksal dieser Menschen egal? Wie dem auch sei – beides wäre ein hinreichender Grund für sie alle, zurückzutreten.

Nun gilt es, aus dem Desaster die Konsequenzen zu ziehen. Die Bundesregierung hat in der Afghanistan-Krise komplett versagt und in Verkennung der realen Lage offensichtlich keinerlei Notfallpläne für Evakuierungen gemacht. DIE LINKE hat zuletzt im Juni vergeblich in einem Antrag die dringende Evakuierung der Ortskräfte gefordert. Es ist eine Schande, dass nach wochenlanger Untätigkeit und Blockade jetzt tausende Helferinnen und Helfer in dem von den Taliban kontrollierten Afghanistan im Stich gelassen werden und um ihr Leben bangen müssen. Dies zeigt das totale Versagen der Bundesregierung. Nicht der militärische Abzug aus Afghanistan war falsch, sondern der Krieg, in dem zehntausende Afghanen und auch tausende Soldaten aus den NATO-Staaten sinnlos gestorben sind, darunter 59 aus Deutschland. Der Afghanistan-Einsatz zeigt nachdrücklich: Demokratie und Freiheit können nicht mit Panzern und Bomben oktroyiert werden. Nach der Kapitulation der von der NATO ausgebildeten und aufgerüsteten afghanischen Armee und Flucht der vom Westen unterstützten afghanischen Regierung ins Ausland ist die islamistische Terrorgruppe der Taliban eine hochgerüstete Streitmacht mit modernstem Kriegsgerät.

Besonders arrogant ist dann der Auftritt von Herrn Röttgen bei Maischberger, als er zu Herrn Gysi sagt:“Über die Evakuierung der Ortskräfte entscheidet nicht ein Antrag der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, sondern die Regierung.“ Diese Arroganz der Macht kann nun vielen afghanischen Helfern das Leben kosten. Für dieses arrogante Versagen der Bundesregierung gilt nur eins: Am 26. September die Richtigen wählen!

Ernst H. Brink